In einem Gefaengnis stirbt ein Haeftling auf der Krankenstation. Der Mann uebergibt sich, dann zuckt er am ganzen Koerper. Die Pfleger koennen nichts mehr tun. Weil der Tote zuvor in eine Messerstecherei verwickelt war, muessen die Dortmunder Ermittler den Fall untersuchen.

Der Gefaengnisarzt Jonas Zander (Thomas Arnold), der frueher als Gerichtsmediziner Teil des Teams war, rueckt schnell mit der Wahrheit raus. Das Opfer starb an Tollwut. Der Erreger war zuvor absichtlich auf der Klinge platziert worden. Auch Zander, der bei der Messerstecherei dazwischen gehen wollte, ist mit dem Virus infiziert. Ein sicheres Todesurteil, da es gegen Tollwut keine wirksame Behandlung gibt.

Als ob die Lage nicht schon verzwickt genug waere, erhaelt Kommissar Faber (Joerg Hartmann) noch einen raetselhaften Briefumschlag. Darin findet er ein Gemaelde mit der Aufschrift „Auf ewig dein“. Zu sehen ist seine tote Familie. Schnell findet er heraus, dass im Dortmunder Gefaengnis auch sein Erzfeind Markus Graf (Florian Bartholomaei) eine lebenslange Strafe absitzt. Graf hat mehrere Frauen getoetet und sehr wahrscheinlich auch Fabers Frau und Tochter auf dem Gewissen. Beweisen konnte das der knorrige Ermittler nie. Dennoch ist er ueberzeugt, dass Graf irgendwie hinter dem Todesfall steht, um Faber ins Gefaengnis zu locken. Die Kollegen Boenisch (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel) sehen dies wie so oft anders und verfolgen eine andere Spur. Ein ranghohes Mitglied der albanischen Mafia koennte versuchen, die Unruhe in der Anstalt fuer einen Fluchtversuch zu nutzen.

Der Fall „Tollwut“ schliesst inhaltlich an den drei Jahre zurueckliegenden Fall „Auf ewig dein“ an. Autor Juergen Werner und Regisseur Dror Zahavi machen es dem Zuschauer aber leicht und erinnern schnell an die wesentlichen Zusammenhaenge. Faber muss auch diesmal an mehreren Fronten kaempfen, weil neuerdings Kollegin Dalay offen rebelliert und mit einer Versetzung nach Duesseldorf droht. Der sonst so eigenwillige Kommissar muss diplomatische Faehigkeiten entwickeln und schoen Wetter machen, um sein Team zusammenzuhalten. Der Figur tut dies gut, weil Fabers Marotten und gehaessige Sprueche in den vergangenen Faellen schon etwas auf die Nerven fielen. Auch diese Entwicklung traegt dazu bei, dass „Tollwut“ ein sehenswerter Krimi geworden ist, der tatsaechlich bis zur letzten Minute die Spannung haelt.

Zu streng darf der Zuschauer jedoch in einigen Szenen nicht sein, da es doch manchmal etwas unrealistisch wird. Wie der Tollwut-Erreger mitsamt Naehrfluessigkeit in das Gefaengnis gelangt, wird nicht ueberzeugend erklaert. Und auch dass der mehrfache Moerder Graf in einer riesigen Zelle mit langen Pinseln und Terpentin hantieren darf, wirkt ein wenig seltsam. Belohnt wird der Zuschauer mit dem unheimlichen Duell Faber gegen Graf, das in den kommenden Faellen eine Fortsetzung finden duerfte.

Verzichten muss der Zuschauer am Sonntag indes weitgehend auf Dortmunder Lokalkolorit. Der Film wurde zu grossen Teilen in einem leerstehenden Magdeburger Gefaengnis gedreht. Nur zwei Drehtage fanden in Dortmund statt. Um dies zumindest etwas zu kaschieren, verlegen die Kommissare eine Teambesprechung ins altehrwuerdige Stadion Rote Erde. Muss halt auch mal reichen. Urspruenglich sollte „Tollwut“ uebrigens bereits im September gezeigt werden, dann kam aber das TV-Duell vor der Bundestagswahl dazwischen. Heute kann man sagen: Dieser „Tatort“ waere schon damals interessanter gewesen.

„Tatort: Tollwut“, ARD, So., 20.15 Uhr

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